Stefan Berg

- Ideen, die ausgehen -



Zeichnungen
12.10.2018 - 12.01.2019

Lebenslauf


Stefan Berg


1964 geboren in Berlin (Ost), seine Laufbahn als Journalist begann er bei Kirchenzeitungen in der DDR

seit 1996 arbeitet er als Redakteur beim SPIEGEL

2011 erschien die Erzählung „Zitterpartie“ (Chrismon/Suhrkamp)

2014 unter dem Titel „Landgang“ sein Briefwechsel mit Günter de Bruyn (Fischer)

2017 erhielt er den Herbert-Riehl-Heyse-Preis der Süddeutschen Zeitung

vor ca. 2 Jahren erste Zeichnungen.


Der Künstler lebt und arbeitet in Berlin und in der Uckermark.


Zeichnungen von Stefan Berg

Wenn ein Fünfzigjähriger wie Stefan Berg plötzlich und voraussetzungslos zu zeichnen anfängt und die Blätter von Anfang an durch ihre Originalität überraschen, ist das ungewöhnlich. Der Begriff „outsider art“ liegt nahe, taugt aber nicht zur Erklärung und Einordnung, wenn es auch sicherlich Ähnlichkeiten gibt. Verwandt oder ähnlich ist die von der Kunstproblematik nicht belastete Freude am Bildhaften, ein Empfinden für all das, was das Zeichnen ausmacht: Strich, Blattformat, Farbe, Richtung, Tempo und Fülle, ein Sinnieren in der Form und in bildhaften Szenerien und Pointen. Die Kompositionen wachsen mitunter von allen Seiten eines Blattes zusammen in ein bewegtes Geschehen. Einige Motive tauchen wiederholt auf: Fische, Geigen, Herzen, Häuser und Gestalten u.a.m., ohne dabei ins Stereotype zu geraten. Das freie und scheinbar leichte Hinschreiben der vielen Einfälle wirkt ausdrucksstark auf eine unambitionierte Weise – eine intelligente Balance zwischen Naivität und Unverblümtheit. Daraus entsteht Gedankliches, Bedeutungen, die sich durch Wort- und Textzusätze im Blatt fortsetzen, ohne das Gezeichnete zur Illustration zu degradieren. Die Bildszenerien und Bedeutungsfäden beeindrucken durch eine glaubhafte, ungetrübte Naivität und die Selbstsicherheit, wie sie Kinderzeichnungen haben, im Sinne der Überlieferung: 'Arno Mohrs Urbild des Zeichnens war das des Kindes, das mit einem Stock in den Sand zeichnet, was es meint.' Von einer solchen Direktheit des Ausdrucks leben auch die Blätter von Stefan Berg. Um Darstellungen oder um Botschaften geht es dabei weniger, dagegen steht der freie Fluss, die Freude und Verspieltheit, auch die selbstgewisse Naivität dieser Zeichnungen. Erstaunlich bleibt die musische Sicherheit der Bilder-Findungen und Erfindungen. Auch diese visuelle Sprache Bergs ist kulturell aufgeladen und nicht von seiner Person und seiner Arbeit als Autor freier literarischer und journalistischer Texte zu trennen. Das Bildhafte seiner Zeichnungen ist möglicherweise dem Bereich des Poetischen näher als der zweifellos komplexere sprachliche Ausdruck.

(Jens Semrau , September 2018)